• Christine Witthöft

Jahresprogramm des Museums für Kunst und Gewerbe Hamburg 2020

Meine persönliche Empfehlung:


Auch im Jahr 2020 hat das Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg seine Türen weit geöffnet. Mit einem umfangreichen, kreativen Programm und auch gesellschafltich fördernden Projekten begrüßt Sie das Kulturzentrum in der Hamburger Innenstadt.

Dieses Jahr hat sich das Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg (MKG) unter der Leitung von Direktorin Tulga Beyerle intensiv mit seiner gesellschaftlichen Rolle auseinandergesetzt und erste Schritte für die weitere Öffnung des Hauses unternommen. Im September 2020 eröffnet das MKG einen Freiraum in der ehemaligen Turnhalle, in dem jede*r willkommen ist und sich wohlfühlen kann, ohne Eintritt, ohne Verpflichtung. Hier kann man lesen, Freund*innen treffen, Hausaufgaben machen oder die Zeit zwischen zwei Zügen verbringen. „Unterwegs zwischen Arbeitsplatz und Zuhause suchen immer mehr Menschen konsumfreie Orte, an denen sie verweilen und zu sich kommen können“, so Tulga Beyerle, „einen solchen Ort in zentraler Lage kann das MKG bieten.“


Auch bei der Auseinandersetzung mit der eigenen Sammlung möchte das Museum seine Gäste als „kritische Freund*innen“ einbeziehen: Das 2019 erfolgreich gestartete Projekt Design Dialog ist eines der neuen offenen Formate, die Besucher*innen anregen, eigene Ideen einzubringen. Mit Angeboten zum Mitmachen, Ausprobieren und zum sinnlichen Erleben will das MKG zukünftig die übliche Ausstellungspraxis aufbrechen und dazu einladen, Themen und Zusammenhänge selbst zu entdecken, sich eine eigene Meinung zu bilden und darüber ins Gespräch zu kommen.


Sonderausstellungen 2020


Mit fast 400 Exponaten von rund 200 Künstler/innen und Designer/innen bietet die Ausstellung „Das Plakat“ (28.2. bis 20.9.2020) einen groß angelegten und repräsentativen Überblick über die Geschichte des Mediums von den Anfängen im frühen 19. Jahrhundert bis heute. In Plakaten treffen Kunst und Geschichte, Design und Werbung aufeinander und ihre Botschaften sind mehrschichtig. Sie gehen über die bloße Werbung hinaus und machen Aussagen über die Zeit, über die Gestaltung, über Geschichte, Mode oder Geschmack.


„Peter Lindbergh: Untold Stories“ (20.6. bis 1.11.2020) ist die erste von Lindbergh selbst kuratierte Werkschau, die er kurz vor seinem Tod Anfang September 2019 fertigstellte. Lindberghs Auswahl von 140 Arbeiten aus den frühen 1980er-Jahren bis in die Gegenwart beleuchtet sein umfangreiches Werk und viele bislang unerzählte Geschichten. Ein Großteil der Aufnahmen wurde noch nie gezeigt, andere wurden von Zeitschriften wie Vogue, Harper’s Bazaar, Interview, Rolling Stone, W Magazine oder dem Wall Street Journal veröffentlicht.


Eine Ausstellung anderer Art ist Life on Planet Orsomanirana (18.12.2020 bis 9.8.2021). Der international bekannte Designer Jerszy Seymour schafft gemeinsam mit Emanuele Braga (Macao, Mailand) und Amica Dall (Assemble, London) einen Ort der Zukunft: eine fantasie- und humorvolle Utopie auf einem fiktiven Planeten, auf dem alle Probleme gelöst scheinen. Hier wird gelacht, getanzt, verhandelt und gemeinsam gestaltet. Die Besucher/innen sind eingeladen, in diese Welt eintauchen und von dort auf die Gegenwart und Vergangenheit zu schauen, um aus dieser Perspektive neue Erkenntnisse für aktuelle Themen wie Arbeit, Bildung oder Produktion zu gewinnen. Mit diesem Projekt will das MKG ein weiteres Mal das übliche Ausstellungsformat aufbrechen und auf Augenhöhe mit dem Publikum innerhalb und außerhalb des Museums interagieren. 1919 revolutionierte der thüringische Ingenieur Curt Fischer mit der ersten lenkbaren elektrischen Leuchte die Arbeitsbeleuchtung.


Ausgehend von dieser bahnbrechenden Erfindung blickt die Ausstellung „100 Jahre lenkbares Licht“ (31.1. bis 1.6.2020) auf die erfinderischen und ästhetischen Dimensionen von lenkbaren Leuchten bis heute. 44 Originale von über 20 Herstellern, Zeichnungen, Patente, Briefe und Filme erzählen von der Evolution der Leuchten, von parallelen und jüngsten Entwicklungen.


Einbindung und Förderung junger Gestalter*innen

Mit Blick auf seine Gründungsidee, eine Vorbildersammlung und Inspirationsquelle zu sein, möchte das MKG in Zukunft verstärkt Gestalter/innen und Künstler/innen und Designer/innen einladen, sich von der Sammlung des Hauses inspirieren zu lassen und aus ihr heraus neue Projekte und Werke zu entwickeln. Die polnisch-syrische Designerin Anna Ban-out nimmt in der Ausstellung „Syria 2087. Fossilien der Zukunft“ (8.5. 2020 bis 25.4.2021) den Weltraumflug des ersten syrischen Kosmonauten im Jahr 1987 zum Ausgangspunkt für ein Gedankenspiel: Was wäre, wenn die syrische Bevölkerung auf den Mars auswanderte? Welche Dinge würde sie mitnehmen? Wie bewahren Menschen eine Kultur, die ihren Ort durch Zerstörung und Flucht verloren hat? Sie stellt sich vor, wie 100 Jahre später die Kultur Syriens auf den Mars trifft. Dafür entwirft sie eine Art „Memory Box“ mit Erinnerungsobjekten, in denen die kulturelle Identität Syriens weiterlebt und zugleich die neue Lebenswelt auf dem Mars als jüngste Erfahrung der Gemeinschaft eingeschrieben ist. Als Grundlage dienen ihr syrische Objekte aus der Sammlung des MKG. Anna Banout ist die erste Künstlerin, die mit ihrer Intervention eine Neuorientierung der Sammlung Islamische Kunst im MKG mit dem Schwerpunkt auf zeitgenössischen Design- und Gestaltungspraktiken markiert.


Um weitere junge Künstler/innen und Designer/innen für die Arbeit mit seiner Sammlung zu gewinnen und zeitgenössische Werke erwerben zu können, hat die Stiftung Hamburger Kunstsammlungen einen „Fonds für Junges Design“ ins Leben gerufen. Im Rahmen des 6-monatigen Residenz-Programms schaffen die Stipendiaten/innen mindestens ein Werk mit Bezug zum MKG. Die Arbeit wird ausgestellt und von der Sammlung Hamburger Kunstsammlungen erworben und dem MKG als Dauerleihgabe übergeben.

Quelle: MKG Pressetext


Ein großes Lob an das Team und dessen Kreativität. Ich bin stolz Vorstand der Justus Brinckmann Gesellschaft e.V. Museum für Kunst & Gewerbe zu sein und solche Projekte mitverfolgen zu können.


https://www.mkg-hamburg.de/de/


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